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Unter einem Kalkül (lat. calculus, Rechenstein, Spielstein) versteht man formale Regelsysteme. Umgangssprachlich bezeichnet der Ausdruck "ins Kalkül ziehen" eine bewertende
Betrachtung einer möglichen Handlungsweise und entspricht somit dem Ausdruck "in Erwägung ziehen".
In den formalen Wissenschaften setzt sich ein Kalkül allgemein aus Axiomen (oder
Anfangsregeln) und Inferenzregeln zusammen. Beide zusammengenommen bilden einen fest abgeschlossenen Handlungsspielraum. Das
Schachspiel mit den Figuren (Axiome) und Zugregeln (Inferenzregeln) bietet, wie
Spiele im Allgemeinen ein anschauliches Beispiel. Wenn gleich - streng genommen - nicht
zum Kalkül gehörend, ist meist eine Zielstellung mitgegeben (Gewinn des Spiels, Lösung eines (politischen) Konflikts, Finden
eines Weges aus dem Labyrinth).
Logik
Die Logik bietet die bisweilen formalste Definition des Kalkülbegriffs. Axiome sind in der Logik Formeln, Inferenzregeln sind
Ersetzungsschemata über den Formeln. Der Begriff des Schließens spielt in der Logik eine zentrale Rolle, und so versucht man den semantisch definierten Schlussfolgerungsoperator durch den syntaktisch definierten Folgerungsoperator
nachzubilden, der die Anwendung von
Inferenzregeln symbolisiert.
Ein Kalkül heißt
- korrekt: Wenn

- vollständig: Wenn

- adequat: Vollständigkeit und Korrektheit ist gegeben
Praktische Anwendung finden Kalküle in der Informatik auf dem Gebiet der
automatischen
Theorembeweiser (Prolog).
Beispiele:
- Syllogistik
- Prädikatenkalkül
- Gentzenkalkül
- Resolutionskalkül
- Fregekalkül
- Tableaukalkül
Mathematik
In der Mathematik können sämtliche Regelsysteme die, richtig angewendet zu richtigen Ergebnissen führen, als Kalkül bezeichnet
werden.
Beispiele
- Arithmetik
- Integralrechnung
- Infinitesimalrechnung
- Stochastik
Philosophie
Die philosophischen Wurzeln des Kalküls lassen sich schon in Aristoteles'
Syllogistik finden, und setzten
sich später unter dem Namen ars inveniendi (= "Erfindungskunst") fort, in dessen Linie vor allem Leibniz' characteristica
universalis steht. Zielstellung hierbei ist, durch reine Anwendung von vorher bestimmten Regeln mit Hilfe von Sprache, neue Erkenntnisse zu gewinnen.
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