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In der Mathematik heißt eine Gruppe G freie Gruppe, wenn sie eine Teilmenge S hat, so dass jedes
Element von G im wesentlichen auf genau eine Weise als Produkt von endlich vielen Elementen von S und deren
Inversen geschrieben werden kann. (Dabei werden Variationen, die sich durch Kürzen ineinander überführen lassen, als im
wesentlichen gleich angesehen, z.B. st-1 = su-1ut-1). Beachte, dass bei einer
freien Gruppe die Reihenfolge der Faktoren wichtig ist, im Gegensatz zu einer freien abelschen Gruppe.
| Inhaltsverzeichnis |
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1 Beispiele
2 Konstruktion
3 Universelle Eigenschaft
4 Eigenschaften
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Beispiele
Die Gruppe (Z, +) der ganzen Zahlen ist frei, mit dem
Erzeuger S = {1}.
Eine freie abelsche Gruppe über einer Menge S
mit mehr als einem Element ist keine freie Gruppe. Zum Beispiel ist das kartesische Produkt Z×Z mit der komponentenweisen Addition eine
freie abelsche Gruppe, aber keine freie Gruppe.
Sei ? die Drehung des R3 um die x-Achse (1,0,0) um den Winkel (?2)?, und ? die Drehung des
R3 um die y-Achse (0,1,0) um den Winkel (?3)?. Dann ist die von ? und ? erzeugte Untergruppe der
allgemeinen linearen Gruppe GL(3) eine freie
Gruppe über S = {?, ?}. Eine solche freie Dreh-Gruppe mit einem zweielementigen Erzeuger S tritt im Beweis des
Banach-Tarski-Paradoxon auf.
Konstruktion
Ist S eine beliebige Menge, dann gibt es immer eine freie Gruppe über S. Diese Gruppe ist im folgenden Sinne
eindeutig: Sind F1 und F2 zwei freie Gruppen über S, dann sind sie isomorph, und es gibt genau einen Isomorphismus f:
F1 -> F2 zwischen ihnen; dieser ist eindeutig bestimmt durch
f(s) = s für alle s aus S. Diese Eindeutigkeit erlaubt es, von der freien
Gruppe über S zu sprechen.
Die freie Gruppe über S wird mit F(S) bezeichnet und wie folgt konstruiert. Für jedes s in
S führen wir ein neues Symbol s-1 ein, das von allen Elementen in S verschieden sei, und
nennen es das Inverse von s. Wir bilden dann die Menge
aller endlichen Zeichenketten, die aus den Elementen von S und
ihren Inversen bestehen. Zwei Zeichenketten seien äquivalent, wenn man sie durch eine endliche Folge von Einfügen oder Entfernen von Teilzeichenketten der
Form ss-1 oder s-1s ineinander überführen kann. Die Menge der Äquivalenzklassen ist F(S). Dies ist eine Gruppe mit der
Verkettung von Zeichenketten als Verknüpfung.
Ist S die leere Menge, dann ist F(S) die einelementige
Gruppe, die nur aus dem neutralen Element besteht.
Universelle Eigenschaft
Die freie Gruppe über S wird charakterisiert durch folgende universelle
Eigenschaft: Ist G eine Gruppe und f: S -> G eine beliebige Funktion, dann gibt es genau einen Gruppenhomomorphismus T: F(S) ->
G, der f fortsetzt, d.h. es ist T(s) = f(s) für alle s aus
S.
Eigenschaften
Jede Gruppe G ist isomorph zu einer Faktorgruppe eine freien
Gruppe F(S). Wenn S dabei als endliche Menge gewählt werden kann, nennt man G eine endlich
erzeugte Gruppe.
Ist eine Gruppe F sowohl frei über S als auch über T, dann haben S und T dieselbe
Mächtigkeit. Diese Mächtigkeit heißt Rang der freien Gruppe
F. Für jede Mächtigkeit k gibt es bis auf Isomorphie genau eine freie Gruppe des Rangs k.
Jede Untergruppe einer freien Gruppe ist frei
(Nielsen-Schreier-Theorem). Eine freie Gruppe vom Rang k hat zu jeder Mächtigkeit m < k
eine Untergruppe des Rangs m. Eine freie Gruppe vom Rang größer als 1 hat Untergruppen von jedem höchstens abzählbaren Rang.
Jeder zusammenhängende Graph kann als wegweise
zusammenhängender topologischer Raum aufgefasst werden, indem
jede Kante als Weg zwischen den beiden angrenzenden Ecken
interpretiert wird. Mit dieser Interpretation ist die Fundamentalgruppe jedes zusammenhängenden Graphen frei. Diese Tatsache kann
zum Beweis des Nielsen-Schreier-Theorems benutzt werden.
Hat S mehr als ein Element, dann ist die freie Gruppe F(S) nicht abelsch, und ihr Zentrum
besteht nur aus dem neutralen Element.
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