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Epistemologische Antinomie

Die epistemologische Antinomie bezeichnet eine Antinomie, deren eigentliche Quelle der Ausdrucksreichtum oder die logische Unbestimmtheit der Umgangssprache ist und die in einer wohl abgegrenzten und korrekt gehandhabten formalisierten Sprache nicht formulierbar ist.

Die meisten epistemologischen Antinomien kommen dadurch zustande, daß man in der Umgangssprache über diese Sprache selbst sprechen kann. Ein einfaches und harmloses Beispiel dafür liefert dieser Syllogismus:

  • 1) "Berlin ist die Hauptstadt der BRD"
  • 2) "Berlin ist ein Wort aus sechs Buchstaben"
  • Schlußsatz: "Ein Wort aus sechs Buchstaben ist die Hauptstadt der BRD". (siehe auch Autonym).

Bereits etwas weniger einfach ist die sich aus dem Begriff heterologisches Adjektiv ableitende Antinomie von Grelling. Die größte Gruppe dieser Art von Antinomien, zu denen z.B. auch die Paradoxie vom Lügner gehört, beruht darauf, daß man in der Umgangssprache Aussagen formulieren kann, die ihre eigene Falschheit behaupten und daher weder wahr noch falsch sein können.

Meistens geschieht dies in einer sophistisch verklausulierten Form, am einfachsten kann man das so formulieren:

(*) Die mit (*) bezeichnete Aussage auf dieser Seite ist falsch.

Prototyp einer weiteren Gruppe dieser Art von Antinomien ist die auf einen inkorrekten Gebrauch des bestimmten Artikels beruhende Paradoxie vom Dorfbarbier(Friseur Paradoxie).

Ein weiteres interessantes Beispiel ist die folgende Antinomie von Richard: Für jede natürliche Zahl n gibt es "Schriftnamen" in deutscher Sprache, d.h. schriftlich mit einer endlichen Anzahl von Buchstaben oder Ziffern ausdrückbare eindeutige Kennzeichnungen oder "Definitionen".

Unter den Schriftnamen von n gibt es einen oder mehrere "kürzeste". Denken wir uns zu jeder natürlichen Zahl einen ihrer kürzesten Schriftnamen ausgezeichnet, so können wir in einer Liste alle die Zahlen eintragen, deren kürzester Schriftnamen weniger als tausend Zeichen umfaßt.

Natürlich gibt es nur endlich viele derartige Zahlen. Unendlich viele Zahlen bleiben also außerhalb der Liste, und in der Menge aller dieser Zahlen existiert eine eindeutig bestimmte kleinste Zahl m.

Diese Zahl m ist eindeutig bestimmt als die kleinste natürliche Zahl, in deren sämtlichen Schriftnamen jeweils mindestens tausend Zeichen vorkommen. Durch die in Kursivdruck (hier durch die entsprechende Textstelle ausgedrückt) hervorgehobenen Wörter wird jedoch für m ein Schriftname angegeben, der weniger als tausend Zeichen umfaßt.

Siehe auch: Objektsprache, Metasprache

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