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In der Mathematik ist eine boolesche Algebra (oder ein
boolescher Verband) eine spezielle algebraische Struktur, die die Eigenschaften der logischen
Operatoren UND, ODER, NICHT sowie die Eigenschaften der mengentheoretischen
Verknüpfungen Durchschnitt, Vereinigung, Komplement abstrahiert.
Sie ist benannt nach George Boole, der sie im 19. Jahrhundert
definierte, um algebraische Methoden in der Aussagenlogik anwenden zu
können. Er publizierte eine erste Fassung der Algebra 1847. Sie wurde später von John Venn, W. Stanley Jevons und Charles Peirce erweitert. Boole arbeitet mit Und-, Oder- und
Nicht-Operationen, wobei die Oder-Operation exklusiv war. Peirce führte 1867 die
inklusive Oder-Operation ein und bezeichnete sie mit einem Plus-Zeichen. Claude Shannon benutzte Boolesche Algebren erstmals zur Beschreibung elektrischer Schaltungen. Heute werden
sie vielfach bei der Entwicklung elektronischer Schaltungen angewandt.
Die Operatoren boolescher Algebren werden auf verschiedene Weisen geschrieben. Oft schreibt man sie als UND, ODER, NICHT (bzw.
AND, OR, NOT), abgekürzt mit ?, ?, ¬ (bzw. ^, v, ~ in manchen Texten). In Schaltkreisen benutzt man oft die Verknüpfungen NAND
(NOT AND), NOR (NOT OR) und XOR (exklusives Oder). Mathematiker schreiben oft + für ODER, · für UND (aufgrund ihrer Ähnlichkeit
zur Addition und Multiplikation in anderen algebraischen Strukturen) und stellen mit einem Überstrich die Verknüpfung NICHT
dar.
Hier verwenden wir die Operatoren ?, ? und ¬.
| Inhaltsverzeichnis |
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1 Definition
2 Beispiele
2.1 Zweielementige boolesche Algebra
2.2 Andere Beispiele
3 Homomorphismen
4 Boolesche Ringe, Ideale und Filter
5 Repräsentation boolescher Algebren
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Definition
Eine boolesche Algebra ist eine Menge S mit zwei darauf
definierten zweistelligen Verknüpfungen ?
(Konjunktion und, Durchschnitt ) und ? (Disjunktion oder, Vereinigung ) sowie einer einstelligen Verknüpfung
¬ (Negation nicht, Komplement), für die gilt:
(S, ?, ?) ist ein Verband, d.h.
- ? und ? sind assoziativ und kommutativ
- Absorptionsgesetze: x ? (x ? y) = x, x ? (x ? y) =
x
und zusätzlich:
- Nach unten beschränkt: Es gibt ein Element 0 (Nullelement), so dass a ? 0 = a für alle
a
- Nach oben beschränkt: Es gibt ein Element 1 (Einselement), so dass a ? 1 = a für alle
a
- ? ist distributiv über ?: x ?
(y ? z) = (x ? y) ? (x ? z)
- Existenz der Komplemente: x ? ¬x = 0, x ? ¬x = 1
Aus diesen Bedingungen folgt
- 0 ist das neutrale Element von ?, es ist eindeutig
bestimmt
- 1 ist das neutrale Element von ?, es ist eindeutig
bestimmt
- Booleschen Kongruenzen (Idempotenzgesetze): x ? x = x, x ? x = x
- ? ist auch distributiv über ?: x ? (y ? z) = (x ? y) ? (x ?
z)
- x ? 0 = 0, x ? 1 = 1
- ¬(¬x) = x
- ¬1 = 0, ¬0 = 1
- De Morgansche Regeln: ¬(x ? y) =
¬x ? ¬y, ¬(x ? y) = ¬x ? ¬y
Jede Aussage innerhalb einer booleschen Algebra hat eine
duale Aussage, die durch Ersetzung von 0 durch 1 und ? durch ? und umgekehrt entsteht. Ist die eine Aussage
gültig, dann auch ihre duale Aussage (z.B. das zweite Distributivgesetz).
Eine boolesche Algebra ist also ein distributiver komplementärer Verband.
Man beachte, dass die Komplemente nichts mit inversen Elementen
zu tun haben, denn die Verknüpfung eines Elementes mit seinem Komplement liefert das neutrale Element der anderen
Verknüpfung.
Wie im Artikel Verband erläutert, kann man auf S eine partielle Ordnung definieren, bei der je zwei Elemente ein Supremum und ein Infimum haben.
Beispiele
Zweielementige boolesche Algebra
Die wichtigste boolesche Algebra hat nur die zwei Elemente 0 und 1. Die Verknüpfungen sind wie folgt definiert:
Konjunktion
| ? |
0 |
1 |
| 0 |
0 |
0 |
| 1 |
0 |
1 |
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Disjunktion
| ? |
0 |
1 |
| 0 |
0 |
1 |
| 1 |
1 |
1 |
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Diese Algebra hat Anwendungen in der Logik, wo 0 als "falsch" und 1 als "wahr"
interpretiert werden. Die Verknüpfungen ?, ?, ¬ entsprechen den logischen Verknüpfungen UND, ODER, NICHT. Ausdrücke in dieser
Algebra heißen boolesche Ausdrücke.
Auch für elektrische Schaltungen wird diese Algebra verwendet. Hier entsprechen 0 und 1 zwei Spannungszuständen. Das Eingangs-Ausgangs-Verhalten jeder möglichen elektrischen Schaltung kann durch einen
booleschen Ausdruck modelliert werden.
Die zweielementige boolesche Algebra ist auch wichtig für die Theorie allgemeiner boolescher Algebren, da jede Gleichung, in
der nur Variablen, 0 und 1 durch ?, ? und ¬ verknüpft sind, genau dann in einer beliebigen booleschen Algebra für jede
Variablenbelegung erfüllt ist, wenn sie in der zweielementigen Algebra für jede Variablenbelegung erfüllt ist (was man einfach
durchtesten kann). Zum Beispiel gelten die folgenden beiden Aussagen (engl. Name: Consensus Theorems) in jeder
booleschen Algebra:
- (a ? b) ? (¬a ? c) ? (b ? c) = (a ? b) ? (¬a ? c)
- (a ? b) ? (¬a ? c) ? (b ? c) = (a ? b) ? (¬a ? c)
-
Andere Beispiele
Die Potenzmenge P(S) einer Menge S wird mit Durchschnitt
und Vereinigung zu einer booleschen Algebra. Dabei ist 0 die leere Menge und 1 ist S selbst. Dieser Verband heißt
Teilmengenverband oder Mengenalgebra von S. Alle
Teilverbände eines Teilmengenverbandes sind distributiv.
Die Menge aller endlichen oder koendlichen Teilmengen von N0 bildet mit Durchschnitt und
Vereinigung eine boolesche Algebra.
Für jede natürliche Zahl n ist die Menge aller positiven Teiler von n mit den Verknüpfungen ggT und kgV ein
distributiber beschränkter Verband. Dabei ist 1 das Nullelement und n das Einselement. Der Verband ist boolesch genau
dann, wenn n quadratfrei ist. Dieser Verband heißt Teilerverband von n.
Für jeden topologischen Raum X ist die Menge aller
offenen abgeschlossenen Teilmengen eine boolesche Algebra mit Durchschnitt und Vereinigung.
Ist R ein Ring, dann definieren wir die Menge
- A = { e in R : e2 = e und ex = xe für alle
x in R }
aller idempotenten Elemente des Zentrums. Mit den Verknüpfungen e ? f = e + f ? ef, e ? f = ef wird A zu einer
booleschen Algebra.
Siehe auch Aussagenlogik, Schaltalgebra, logische Funktion.
Homomorphismen
Ein Homomorphismus zwischen booleschen Algebren
A, B ist ein Verbandshomomorphismus f: A -> B, der 0 auf 0 und 1 auf 1
abbildet, d.h. für alle a,b aus A gilt:
- f(a ? b) = f(a) ? f(b)
- f(a ? b) = f(a) ? f(b)
- f(0) = 0
- f(1) = 1
Es folgt daraus, dass f(¬a) = ¬f(a) für alle a aus A. Die Klasse aller booleschen Algebren wird mit diesem
Homomorphismenbegriff eine Kategorie. Ist ein Homomorphismus
f zusätzlich bijektiv, dann heißt f Isomorphismus und A und B heißen
isomorph.
Boolesche Ringe, Ideale und Filter
Jede boolesche Algebra (A, ,
) wird zu einem Ring (A, +, *), indem man definiert: a + b = (a ¬b) (b ¬a) (diese Operation nennt man "symmetrische Differenz" bei
Mengen und XOR in der Aussagenlogik) und a * b = a b.
Das Nullelement dieses Ringes entspricht der 0 der booleschen Algebra; das neutrale Element der Multiplikation ist die 1 der
booleschen Algebra. Dieser Ring hat die Eigenschaft, dass a * a = a für alle a in A;
Ringe mit dieser Eigenschaft werden boolesche Ringe genannt.
Umgekehrt, wenn ein boolescher Ring A gegeben ist, können wir ihn in eine boolesche Algebra umwandeln, indem wir
definieren: x y = x +
y ? xy und x
y = xy. Da diese zwei Operationen invers zueinander sind, können wir sagen, dass jeder boolesche Ring aus einer
booleschen Algebra entsteht, und umgekert. Weiterhin ist eine Abbildung f : A ? B ein
Homomorphismus boolescher Algebras, wenn und nur wenn sie ein Homomorphismus boolescher Ringe ist. Die Kategorien boolescher Ringe und boolescher Algebras sind äquivalent.
Ideale und Filter noch aus dem englischen Artikel zu übersetzen.
Repräsentation boolescher Algebren
Zu jeder endlichen booleschen Algebra B gibt es eine endliche Menge X, so dass B zu P(X)
isomorph ist. Insbesondere folgt daraus, dass die Mächtigkeit jeder
endlichen booleschen Algebra eine Zweierpotenz ist.
Text über das "Stone Repräsentationstheorem" ist noch aus dem englischen Artikel zu übersetzen.
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